St. Elisabeth-Hospital Gütersloh, Kapelle
Die Kapelle des St. Elisabeth-Hospitals Gütersloh ist ein schönes Beispiel moderner katholisch-sakraler Kapellengestaltung. Die Bilder und die folgenden Texte sind uns von Joachim Gebühr, St. Elisabeth-Hospital, zur Verfügung gestellt worden.
Ein Blick von aussen zeigt die Lage der Kapelle im Innenbereich des Krankenhauses und zugleich die oktogonale Form des Baus.

Innen zeigt dieser Blick in den Altarbereich, dass die Fenster das bedeutendste Gestaltungselement sind.

Zwei Detailaufnahmen, zunächst Fenster mit "Buchstabe S" (oben rechts eher zu erahnen, er bezieht sich auf den Namen Elisabeth, siehe die Erläuterungen im folgenden Text):

Und ein Fenster, das ein krankenhaustypisches Hilfsmittel in der Gestaltung aufgreift:

Die Fenster in der Kapelle
Entwurf: Margarethe Keith-Grell, Oberursel, 1983
Die Kapelle des St. Elisabeth-Hospitals befindet sich, gleich einem faßbaren Organ im inneren Labyrinth des Baukörpers, im Atrium des Krankenhauskomplexes. Ein Oktogon, welches an der Nahtstelle zum Hauptgebäude weit geöffnet ist, bildet den Grundriß. Die ringsum laufenden Wände sind aus Glas und dieses raumumschreibende Band ist künstlerisch gestaltet.
Der überschaubaren Symmetrie wurde mit einer ebensolchen Komposition Rechnung getragen. Im Mittelpunkt des geistigen Konzepts steht der 1. Paulusbrief an die Korinther, 13. Kapitel. Die allen Feldern gemeinsame farbliche Palette bewahrt den geschlossenen Raumeindruck. Den absoluten Hintergrund bildet ein dunkler Kupferton. Der immer wiederkehrende zweite Fond ist eine Leinenfarbe und der "Vorhang", ein strahlendes Hellblau, befindet sich im Gesamteindruck obenauf.
Das naturfarbene, leicht bewegte Raster erinnert an das härene Gewand, welches die Hl. Elisabeth unter ihrem fürstlichen Kleid getragen haben soll. Das sehr bewegte blaue Tuch bietet der Kapelle nach außen Begrenzung und Schutz, nach innen Geborgenheit und Intimität. Der gläserne Vorhang ist aber zugleich Zuflucht gewährender Mantel und kostbares Gewand.
Dem Fenster liegen Gedanken und Bilder zum Leben der Hl. Elisabeth zugrunde. Von links nach rechts betrachtet, ergibt sich folgende Sicht: In der äußersten Ecke von Feld 1 sind Krücken, orthopädische Hilfsmittel und Einrichtungen für Kranke abgestellt. Unwichtig oder gar überflüssig geworden, stehen sie für die Sorgen, die von der Hand der Patronin bedeckt werden. Das zweite Feld bildet eine feierliche Kulisse für die Madonnenfigur (flämisch, 15. jahrhundert), die dort ihren Standort hat: Die fünf Rosen zu Füßen der Statue, im groben Stoff anmutig verwoben, sind ein Symbol für Maria und die Verschwiegenheit. Die Raffung und Bündelung des blauen Tuchs in Feld 3 verwandelt dieses in eine Reihe von Gestalten, die durch ihre gemeinsame Richtung helfende und dienende Anwesenheit assoziieren. In Feld 4 ist das Tuch aufgenommen, geschürzt, um Gaben einzusammeln, die als Spenden wieder ausfließen und an Bedürftige verteilt werden. Das große Feld hinter dem Altar bildet nicht nur die räumliche Stirn sondern auch die geistige Mitte der Gestaltung. Auf dem ausgebreiteten Tuch stehen in der "Textura", einer gotischen Schrift, die Verse 1-13 des 13. Kapitels aus dem Paulusbrief an die Korinther: "Das Größte ist die Liebe. 1. Wenn ich mit Menschen- und Engelszungen redete, hätte aber die Liebe nicht, so wäre ich wie ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. 2. Wenn ich Prophetengabe hätte und alle Geheimnisse wüßte und alle Erkenntnis besäße, und wenn ich allen Glauben hätte, so daß ich Berge versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, so wäre ich ein Nichts. 3. Und wenn ich alle meine Güter austeilte und wenn ich meinen Leib zum Verbrennen hingäbe, hätte aber die Liebe nicht, so nützte es mir nichts. 4. Die Liebe ist geduldig; gütig ist die Liebe. Sie beneidet nicht, sie handelt nicht unbescheiden, sie ist nicht aufgeblasen. 5. Sie handelt nicht unschicklich, sie sucht nicht das ihre, sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht an. 6. Sie freut sich nicht über das Unrecht, hat aber Freude an der Wahrheit. 7. Sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. 8. Die Liebe hört nie auf. Die Prophetengaben, sie gehen zu Ende; die Sprachengaben, sie werden aufhören; die Erkenntnis, sie geht zu Ende. 9. Denn Stückwerk ist unser Erkennen und Stückwerk unsere Prophetengabe. 10. Kommt aber die Vollendung, wird das Stückwerk abgelegt werden. 11. Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte ich wie ein Kind, rechnete wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, legte ich die Art des Kindes ab. 12. Jetzt sehen wir durch einen Spiegel, rätselhaft, als dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, so wie auch ich erkannt bin. 13. Jetzt bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei; aber das Größte unter ihnen ist die Liebe."
Danach setzt sich die Komposition nach rechts spiegelbildlich zur linken Seite, jedoch etwas verändert, in den beiden nächsten Feldern fort. Das vorletzte Feld versammelt Bilder aus der Legende. St. Elisabeth übt die Werke der Barmherzigkeit. Sie pflegt Kranke, verteilt Almosen, gibt zu trinken. Es heißt, die Heilige habe ihre Krone vor der Hl. Messe auf den Stufen zur Kirche abgelegt. Ein Korb voller Rosen erinnert an das Wunder, wonach sich Brot im Korb der Hl. Elisabeth in Rosen verwandelt hat, als ihr Handeln mißbilligt wurde. Im Feld 9, dem letzten Fenster, ist das fürstliche Gewand zum Ordenskleid gegürtet. Die linke Hand entläßt den Besucher mit begleitender Geste. Die Entdeckung, daß der Name Elisabeth 9 Buchstaben hat, führte dazu, in jedem Fenster, an mehr oder weniger verborgener Stelle, einen Buchstaben in der entsprechenden Reihenfolge unterzubringen. Lediglich das "A" fehlt auf der Fensterfront hinter dem Altar. Hier wird das "A" symbolisch durch den Altar dargestellt. Daraus ergibt sich auch, dass sich links und rechts vom Altar 4 Fensterfronten befinden (ELIS,A,BETH). Die Buchstaben in den Fenstern aufzufinden hieße, sich als Suchenden zu entdecken und diesen Sinn vielleicht auf das ganze Werk zu übertragen.
Das Oberlicht verursachte durch seine Position und Kontur die Idee einer Verbindung mit dem Himmelszelt. Dieser Begriff ist wörtlich genommen. In dem ovalen Ausschnitt des Zeltes sind Sterne zu sehen. Es sind die Himmelserscheinungen im Monat November, an dessen 19.Tag das Namensfest der Hl. Elisabeth gefeiert wird.
Technik: Bleiverglasung
Material: Echtantikglas opak und opalisierend,´zum Teil bemalt, gestrahlt und geätzt
Ausführung: W. Derix, Taunusstein, 1984/85
Die bildhauerischen Arbeiten in der Kapelle
Altar mit Kreuz und Leuchtern, Tabernakel und Ewiges Licht, Ambo, Sedilien und Türgriffe
Entwurf: Hubert A Hartmann, akadem. Bildhauer, Rheda-Wiedenbrück, 1984
Altar, Tabernakel und Ambo nehmen die oktogonale Form der Kapellenarchitektur wieder auf. Der Künstler legte Wert darauf, die Zahl 8 immer wieder zu betonen und in allen Formen zu variieren. Der Hl. Augustinus interpretiert die Zahl 8 analog zum Alten Testament als die Zahl des Neubeginns (8 Menschen befanden sich in der Arche Noah und erlebten den Wiederbeginn des Lebens nach der Sintflut). Die 8 folgt der 7, die als Zahl der Vollendung gilt. So ist es auch zu verstehen, daß viele frühchristliche Taufkirchen und -becken einen achteckigen Grundriß hatten (die Taufe als Neubeginn des Lebens). Auch für eine Krankenhauskapelle ist die Zahl 8 nicht ohne Bedeutung: folgt doch dem Klinikaufenthalt ein neuer Lebensabschnitt und ein neuer Beginn.
Der Sockel des Altars ist ein vertikal geteiltes, auf Abstand gebrachtes Oktogon und trägt die wiederum achteckige Altarplatte.
Die Grundform des Tabernakels ist eine achteckige Stele, in deren oberem Teil drei künstlerisch gestaltete Glasscheiben eingelassen sind. Diese ungewöhnliche Art einer Tabernakelgestaltung entspringt dem Wunsch, durch eine gewisse Transparenz das Sanktissimum diffus, aber doch erkennbar zu halten.
Bronzeguß: Fa. Uppendahl, Weeze/Niederrhein
Es folgen einige weitere Detailaufnahmen, zunächst die Orgel (Erbauer: Speith Orgelbau, Rietberg)

Ferner gibt es innen eine Statue der Mutter Gottes.

Die Statue des Hl. Josef steht im Eingangsflur zur Kapelle.

Im Innenhof gehören zum Ensemble der Kapelle auch eine Glocke, eine Statue der Hl. Elisabeth sowie ein Grabmal, das an die Nonnen erinnert, die das Krankenhaus gegründet haben. Alle drei Elemente stammen vom "alten" St. Elisabeth-Hospital und sind zum Neubau mit übernommen und aufgestellt worden (1985).



Ihre Rückmeldung
|