Evangelisches Krankenhaus Wien, Kapelle:
Martin
Bolz, Kurt Kramer: Leib und Seele. Die Kapelle im evangelischen
Krankenhaus Wien, Evangelischer Krankenhausverein Wien 2005
| Website |
ja |
| zusätzliche Informationen (Kurt Kramer) |
ja |
Martin
Bolz, der zuständige Theologe, und der verantwortliche
Künstler Kurt Kramer berichten in diesem kleinen Buch über
die Neugestaltung der Kapelle (und anderer Räume) im evangelischen
Krankenhaus Wien und erläutern die einzelnen Arbeiten.
Kurt
Kramer hat die 2002 eingeweihte Kapelle ausgemalt und
Ausstattungsstücke entworfen. Er schreibt in seinem Vorwort, dass
er sich der Aufgabe stellen wollte, Glaubensinhalte zu vermitteln.
Dabei ist er den Wurzeln religiöser Darstellungen nachgegangen und
hat Piktogramme und Zitate aus der christlichen Ikonographie studiert
und verarbeitet. „Meine Bilder ... bleiben, wenn man sich dem
„Lesen“ der Bildzeichen über die vermittelte
Gesamtstimmung aus Farbe und Bewegung hinaus hingibt, konkret, sie sind
religiöse Botschaften.“
Die
Malerei Kramers kombiniert stark grafische, lineare Elemente und
abstrakte Farbflächen, er spielt mit realistischen Details
inmitten aufgelöster Formen. Der Kapellenraum selbst ist recht
klein. Es ist eine Kapelle ohne Altar, als Prinzipalstück fungiert
allein die Kanzel, bzw. das Lesepult. Kramer hat diese Seite der
Kapelle schwungvoll gestaltet. Ein nach hinten geführter Bogen
bildet den Raum, der die Kanzel aufnimmt. Die Wände sind beinahe
vollständig ausgemalt in einem hauptsächlich grün-blauen
Farbenspiel.
Durch diese
Ausmalung wird nach meiner Meinung ein bestimmter Kapellentyp
realisiert, der sich durch den gefüllten Raum auszeichnet. Das
Gegenstück wäre ein relativ leerer Raum. Beide Spielarten
sind auch im Blick auf die Nutzer ganz unterschiedliche Konzeptionen.
Während der leere Raum den Besucher auf sich selbst
zurückführt, konfrontiert ihn der gefüllte Raum mit
einem Inhalt, der ihn von sich selbst wegführt. Beides kann
hilfreich sein.
In der Wiener
Kapelle stehen Einzelheiten im Vordergrund, vor allem Bildelemente, die
entziffert werden wollen. Zum Beispiel ist der Rückraum hinter dem
Lesepult eine Darstellung von Jakobs Kampf am Jabbok (1. Mose 32).
Weitere Ausstattungsdetails sind das Kreuz auf dem Lesepult sowie eine
Fußbodenbemalung vor dem Lesepult, die Spirale der
Gewaltlosigkeit. Beleuchtungskörper (Halogenstrahler) sind in den
Fußboden eingelassen. Sie folgen dem Schwung der Rückwand
hinter dem Lesepult und holen gewissermassen Sternenlicht auf den
Boden.
Das
mit zahlreichen Bildern informativ und anschaulich ausgestattete Buch
läßt sich beim Evangelischen Krankenhausverein Wien
erwerben, auch über die Webseite www.ekhwien.at. Leider
enthält der Internetauftritt des Krankenhauses (noch) kein
Bildmaterial zur Kapelle. Zu Kurt Kramer und seinem Werk habe ich den
oben angezeigten Link gefunden.
aufgenommen am 26. November 2005
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